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Autor: Peter
Online Zocken: meine Spielesucht (2)

Ein paar Sachen muß man sich an den heutigen Spielen bewußt machen: Gerade Online Spiele haben oft kein Ende. Man besitzt ein Online-Account, welches besser wird, umso mehr man spielt. Ich habe seit Battlefield 2 draußen ist, online über 6000 Leuten in den Kopf geschossen. Das muß man sich mal bewußt machen. Und ganz nebenbei: Es gibt andere Spieler, welche über 12 mal mehr Punkte besitzen, wie ich. Die spielen in Durchschnitt (!!!) 6-8 Stunden online. Da wird mir schwindelig.


An manchen Tagen bin ich wie verstrahlt, weil ich nur an das Spiel denke. Ich kann nicht mehr kommunizieren, treffe mich mit Freunden in einer Bar und verschwinde bald wieder, weil ich sowieso keinen vernünftigen Satz rauskriege. Wenn ich bei Kunden arbeite, kann es sein, daß ich 3/4 der Zeit im Internet die Foren abgrase, um News zu meinem Lieblingsspiel zu finden. Die Erlösung kommt dann natürlich, wenn ich zuhause den Rechner einschalten kann, um mich wieder in virtuelle Schlachtfelder zu stürzen. Das ist dann auch der einzige Moment der mir richtig Freude macht. Alles andere läßt mich emotionell ziemlich kalt.

Computer-Spiele sind öffentlich akzeptierte Unterhaltungsmedien, sie stehen neben Word und Excel im Regal von jedem Elektrogroßhandel. Man darf sich aber nichts vormachen: Sie werden schnell zur Sucht und weisen die Hauptmerkmale einer Droge auf:
* Es stellt sich kaum ein Sättigungseffekt ein, man kann wochenlang in Serie spielen. Umso langweiliger / schwieriger das normale Leben wirkt, desto attraktiver wird das virtuelle Dasein.
* Ich habe mich regelmäßig selbst beschissen: "Heute biste gut drauf, spielst nur kurz eine halbe Stunde", um dann den ganzen Tag zu zocken. Ich hatte mir einen Parental-Lock installiert, welcher das Spiel nach einer festen Zeit wieder schliessen sollte. Leider kann ich den auch ganz easy wieder deinstallieren.
* Computerspiele ziehen alle Register, um Dich süchtig zu machen: Du kannst nicht wirklich mittendrin aufhören. Umso höher der Langzeiteffekt, desto besser das Spiel. Hersteller müssen das tun, weil sich ein "suchtgefährdend" Spiel besser verkauft.
* Computerspiele machen Dir glaubhaft, daß es wichtig ist lange zu spielen. Insbesondere Online-Accounts wie bei World of Warcraft oder Battlefield geben Dir die Ausdauer stundenlange monotone Scheiße zu machen, um neue Upgrades oder Waffen zu erlangen. Diese Sachen erlangen eine Wichtigkeit, die ein Außenstehender sich nicht vorstellen kann.
* Computerspiele grenzen Dich sozial aus: Während Du spielst biste sowieso für den Rest der Welt ausgeschaltet. Und ansonsten verstehen die meisten Leute nicht, was so faszinierend am Spielen ist und man kann es auch nicht wirklich erklären. Manch einer mag sagen, er habe tolle Freunde gefunden oder ist in einem tollen Clan (=Spielervereinigung), mit dem er spielt. Dann soll er sich selbst mal fragen, ob das zum einen Freunde von Bedeutung sind, die auch noch in 2 Jahren da sein werden. Zum anderen soll er mal gucken, ob die Leute nicht mindestens genauso angefixt sind, wie er selbst.
* Computerspiele sind ausschließlich zum Selbstzweck; sie sind hochgradig unproduktiv. Einen Nutzen außerhalb der Spielewelt gibt es nicht. "Leider" haben sie auch keine offensichtlichen Nebenwirkungen (gesundheitlich, sozial, etc.), deswegen gelten sie auch als harmlos. Aber gerade diese "Harmlosigkeit" macht Computer-Spielen so gefährlich.

Zum Abschluß noch meine momentane Situation:
Gestern habe ich wieder den ganzen Tag gezockt. Abends war ich dann so zerstört, daß ich alle meine Spiele deinstalliert habe und anschließend bei Ebay zum Verkauf gesetzt. Ich hoffe, dieses Ritual hilft mir, davon wegzukommen. Gottseidank ist meine Beziehung und mein Leben noch ganz intakt, aber ich habe auch schon so manches Studium und so manche Beziehung den Bach runtergehen sehen, wegen Computerspielen.
Bizarrerweise fühle ich mich, als hätte ich ein Zuhause verloren. Die ganze 3D-Welt, die kenne ich gut und da hatte ich auch viel Spaß, das kann ich nicht leugnen. Das war ein alternatives Daheim, wo ich mich immer verstecken konnte. Das ist jetzt weg und das vermisse ich schon jetzt .

Ich bin über 30. Damit will ich nur sagen, daß Computerspiele für alle Altersklassen Thema sind, nicht nur Kids. Und ich kenne genug gleichaltrige Freunde, welche auch Spielen.
Leider weiß ich, wie schwer es manchmal für mich ist, ein Spiel nicht zu kaufen, wenn es verspricht, spannend zu sein. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Gerade wenn es mir mal nicht so gut geht, weiß ich wie schnell ich schwach werde.

Ich würde mich freuen, wenn mir ein paar Leute Erfahrungen und Tipps geben könnten Das wäre klasse:
designmerc'ad'hotmail.de

Danke, Peter

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